Vanlife: Urlaub mit dem Van - ein wahr gewordener Lebenstraum

Vanlife: Urlaub mit dem Van - ein wahr gewordener Lebenstraum

Es gibt viele gute Gründe, um einen Urlaub in einem ausgebauten Van genießen zu können. An erster Stelle stehen hier mit Sicherheit das Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit, loszufahren und machen zu können, was man möchte - egal wo. Einfach die Sachen packen und los geht es in das nächste Abenteuer.

Auch dieses Jahr erfreut sich der Vanlifestyle großer Beliebtheit, wenn es um die Planung für den nächsten Urlaub oder auch nur ein verlängertes Wochenende geht. Einfach in den Van und losfahren - das ist oftmals die Idealvorstellung von vielen, um schnell dem Alltag entfliehen zu können. Dass es leider nicht ganz so schnell geht haben wir am eigenen Leib erfahren dürfen. Vorbereitung ist das Schlagwort. Um den Urlaub oder Ausflug mit dem Van auch wirklich sorgenfrei genießen zu können, gibt es vieles zu beachten und man muss auf einiges vorbereitet sein. Selbstverständliche Dinge, wie eine Toilette, lernt man hier neu zu schätzen, gerade wenn man wie wir nicht immer auf einem Campingplatz unterkommen, sondern auch in der freien Natur verweilen möchte.

Vanlifestyle - ein Gefühl von Unabhängigkeit und Freiheit 

Wer sich einen Van zu einem wohnlichen Plätzchen umgebaut hat, der kennt das Freiheitsgefühl, das entsteht, sobald hinter dem Lenkrad Platz genommen wird, das Kribbeln in den Fingerspitzen, wenn es losgeht. Die Aufregung auf all das was kommt. Anhalten, wo es einem gefällt und komplett unabhängig sein. Der eigene Van spiegelt für viele den eigenen Lebensstil wider. Für uns ist es ein weiteres Zuhause. Das Zuhause, das überall mit hingenommen werden kann und dich auf deinem Weg begleitet. Du bist dein eigener Herr, kannst morgens einfach im Bett bleiben, aufs offene Meer schauen und genau an der selben Stelle dein Frühstück genießen. Du kannst für dich sein und bist doch nie alleine - der riesigen Community sei Dank und dem Gefühl, diesen Lifestyle teilen zu können. Und doch entscheidest du selbst, wo du gerade sein möchtest. Dieses Gefühl lieben wir.

Dass die Küchenzeile zum Badezimmer, die Tür zum Weinregal oder das Bett zum Frühstückstisch wird, betrachten viele nicht als negativ, aber sind wir mal ganz ehrlich: Wer würde sich eine Wohnung mieten, bei der die Speisekammer mit einfachem Trennvorhang direkt neben dem Kühlschrank in der Küche zu einem Plumpsklo umfunktioniert wurde? Wahrscheinlich die wenigstens - und doch stört es beim Van keinen. Man stellt sich darauf ein, organisiert sich und lernt, jeden Millimeter der vorhandenen Fläche nutzen zu können und fühlt sich dabei einfach großartig. 

Vorbereitet spontan 

Und genau hier ist wieder die Vorbereitung ein entscheidender Punkt. Worauf bereite ich mich eigentlich vor? Was brauche ich unterwegs überhaupt alles? Was ist selbstverständlich? Was muss wie funktionieren? Was vermisst man erst, wenn man schon unterwegs ist? Diese Fragen stehen etwas in Kontrast zu dem, was wir eigentlich wollen: Einfach losfahren, spontan reisen, schauen, wo es einen hin verschlägt ohne vorab alles genau durchzuplanen. Daraus entstehen für uns meist die schönsten Momente - sich einfach treiben lassen. Dass wir dieses “sich treiben lassen” allerdings wirklich erst genießen können, wenn wir gut vorbereitet sind, wurde uns erst mit ein paar Reisen klar. Das Gefühl von völliger Freiheit und Unabhängigkeit überwältigt uns erst, wenn wir mit gutem Gewissen sagen können: Ich bin gut vorbereitet, ich muss mir keine Sorgen für Fall X machen, ich habe eine Lösung in Petto - egal was kommt. Vorbereitet spontan würde ich es liebevoll nennen. Vielleicht können das ja manche von Euch nachvollziehen, ohne die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen und zu denken “Was für Kontrollfreaks”. 

Die ersten Erfahrungen

Bei unserer ersten Reise waren wir auch super vorbereitet - dachten wir zunächst. Von schnell trocknenden Handtüchern, der Gaskartusche, faltbaren Wasserkanistern, Außen-Stromkabel über Mini-Spüli bis hin zur Schöpfkelle hatten wir alles dabei. Bis wir irgendwann mitten im Nichts den Sonnenuntergang genossen und uns ein paar Bierchen gegönnt haben. Nach ein paar Bierchen - genau genommen waren es bei mir zwei - war es dann aber auch schon soweit: Ich musste pinkeln und zwar dringend! Gar kein Problem - ab raus und schnell ein ruhiges Örtchen im Gebüsch gesucht. Während ich den Grillen und dem geräuschvollen Plätschern lauschte, wurde mir mit einem mal bewusst, dass wir den Faktor Toilette unterschätzt hatten. Klar, es ist überhaupt kein Problem sich kurz ein kleines Fleckchen in der Natur zu suchen, allerdings haben wir auch eine bequeme Matratze zum Schlafen, obwohl man auch auf dem Boden schlafen könnte. Ohne zu zögern war die Matratze mit eine unserer ersten Anschaffungen - für den nötigen Komfort und die gewünschte Mütze Schlaf. Wieso haben wir denselben Gedanken nicht sofort bei einer Toilette gehabt? Das Thema Toilette war für uns irgendwie selbstverständlich, etwas was man einfach hat. Wer aber mal zurück an seine wilden Festivalzeiten denkt, der wird sofort wissen, wie wertvoll eine eigene, gut riechende - bzw. nicht riechende - Toilette ist, die man überall nutzen kann. Doch inwieweit ist eine Nutzung “überall” eigentlich möglich? 

Hier liegt was in der Luft 

Ich habe mich mit dem Thema Toilette zugegebenermaßen sehr nach unserem ersten Kurztrip beschäftigt, da ich zukünftig gerne noch unabhängiger und gleichzeitig komfortabler reisen wollte. Nicht immer Ausschau nach dem nächsten Restaurant oder Stellplatz halten, abends nicht nochmal zwingend die letzte Gelegenheit nach einer fest eingerichteten Toilette ergreifen zu müssen und nicht einhalten zu müssen, wenn gerade kein stilles Örtchen auffindbar ist oder man mal plötzlich groß muss. Ganz zu schweigen davon, dass ich mich in meine frühe Kindheit zurückversetzt gefühlt habe und mir vor Augen gerufen habe, wie ich früher mit meinen Eltern auf einem Campingplatz war und schon mit sechs Jahren immer ermahnt wurde, nie auf die im Wohnwagen vorhandene Chemietoilette zu gehen, da diese erstens gestunken hat und zweitens mühevoll jeden Tag wieder entleert werden musste. Da hat man immer die Sanitäranlagen des Campingplatzes vorgezogen. Aus diesem Grund kam für mich eine Chemietoilette schon nicht in Frage, mal abgesehen davon, dass hier Chemie zum Einsatz kommt. Durch die hohen Flüssigkeitsmengen ist ein häufiges Entleeren Pflicht. Der Gedanke daran, dass die festen Ausscheidungen ebenfalls in dieser Brühe mit vermischt werden, sorgte nochmal für weniger Begeisterung.

Während meiner Recherchen bin ich schließlich auf das Prinzip einer Trockentoilette gestoßen. Wie der Name schon verrät, wird für die Nutzung der Toilette kein Wasser benötigt. Das hat mich erstmal begeistert, da man so unterwegs noch unabhängiger ist und die ohnehin schon wertvollen Wasservorräte nicht noch weiter verbraucht. Aktuell gibt es auf dem Markt auch schon ein paar hübsche Modelle, die nicht direkt aussehen wie ein Eimer mit Deckel - die Option hat man natürlich auch - wir wollten unser Geld dann allerdings in etwas Hübsches investieren, dass einem auch das Gefühl gibt, auf einer Toilette zu sitzen. Wenn einem die Kanten des Eimers in den Hintern drücken und man sein Geschäft dann doch wieder in der Hocke verbringen muss, sehen wir einfach keinen Mehrwert, das muss aber natürlich jeder für sich selbst entscheiden. =)

Ein Griff ins Klo?

Bei der Recherche nach einer passenden Trockentoilette ist mir dann das Prinzip der Trenntoilette untergekommen: Hier wird ebenfalls kein Wasser benötigt und es befindet sich ein Trenneinsatz im Inneren der Trenntoilette, der die flüssigen und festen Ausscheidungen voneinander getrennt auffängt. Somit werden die Stoffe nicht zusammengeführt und Gerüche automatisch vermieden. Der Urinkanister kann separat entleert werden und der Feststoffbehälter muss nach dem großen Geschäft einmal zusätzlich mit einem Einstreu - stellt es euch in etwa vor wie Katzenstreu - befüllt werden, damit die Ausscheidungen trocknen. Der Vorteil an diesem Prinzip liegt vor allem darin, dass die Feststoffe nicht feucht bleiben und somit nicht weiter stinken. Das war für uns ein großer Pluspunkt. (Jeder kennt den Hundehaufen auf der Terrasse, der im frischen Zustand übel riecht, nach 1-2 Tagen allerdings völlig geruchsneutral ist). Dass man die Ausscheidungen zudem nachhaltig entsorgen kann, kam unserer Vorstellung von einer autarken und mobilen Toilette am nähesten.

Aufgrund dieses Gesamtpaketes haben wir uns für das Modell der Trenntoilette entschieden. Zudem haben Maße und Optik super zu unserem Van gepasst, was unsere Entscheidung definitiv befeuert hat. Wir wurden bis heute nicht enttäuscht und die Trenntoilette ist nun fester Bestandteil all unserer Reisen mit unserem Bulli. Die Benutzung ist super simple ebenso wie die Entleerung der Behälter. Durch die Trennung und Wasserersparnis rennt man zudem nicht ständig Hin und Her, um die Behältnisse zu entleeren, da man insgesamt ein größeres Volumen zur Verfügung hat. Auch wenn ich zunächst bei der Entleerung des Feststoffbehälters skeptisch war, muss ich zugeben, dass meine Sorge völlig unbegründet war: Man verwendet Beutel ähnlich wie in einem Mülleimer nur kompostierbar, um die Ausscheidungen später an geeigneter Stelle zu entsorgen. Verrichtet man also sein Geschäft in die Tüte bzw. den Behälter kann es direkt mit dem Einstreu abgedeckt werden, rasch abtrocknen und somit nicht mehr zu Geruchsbelästigung führen. So kann ich die befüllte Tüte jederzeit herausnehmen und gemeinsam mit dem Hausmüll entsorgen.

Egal wo wir jetzt sind, wir haben immer unsere Trenntoilette griffbereit und genießen den Komfort und das Gefühl einer richtigen Toilette, nur eben unterwegs. Auch wenn wir uns vorab keine Sorgen um eine Toilette gemacht haben und ich bei diesem Thema immer wieder schmunzeln muss, möchte ich sie nicht mehr missen. Sie hat unser Vanlife nochmal auf ein neues Level angehoben. Wir sind jetzt noch sorgenfreier vorbereitet auf alles was kommt. ;-)